Thüringer Schützentag - ein Schützenfest

Thüringer Schützentag - ein Schützenfest

Das 5. Böller­treffen, der Festumzug, Familienfest, Scheiben- und Jugend­könig­schießen und Fest­abend prägten den er­eignis­rei­chen Tag in Son­ders­hausen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Eigentlich sollte der 18. Schützentag bereits im Jahr 2020 in Sondershausen stattfinden. Dann aber hatte Corona den Schützen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Doch auch zwei Jahre später feierten die Thüringer Schützenschwestern und Schützenbrüder in der Residenzstadt ein rundum gelungenes Fest mit zahlreichen Höhepunkten – allen voran Feierstunde und Delegiertenversammlung, in der die Stimmberechtigten Stephan Thon (Heyerode) erneut zum Präsidenten des Thüringer Schützenbundes (TSB) wählten (s. Bericht vom Montag). Der TSB, der gastgebende Kyffhäuser Schützenkreis mit Lutz Kewel an der Spitze und die Stadt Sondershausen verdienten sich reichlich Lob für die dreitägige Großveranstaltung.

Dank an Lutz Kewel und seine Frau

„Keine andere Stadt in Thüringen kann eine Versammlungsstätte vorweisen, wie das Achteckhaus“, sagte Stephan Thon über das in den Jahren 1708 bis 1710 als Lusthaus des Fürsten Christian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen errichtete altehrwürdige Gebäude auf dem Schlossgelände, in dem die zentralen Veranstaltungen des Schützentages stattfanden – vom politischen bis zum geselligen Teil mit dem Schützenball am Samstagabend, zu dem die Gipfelstürmer aufspielten und die Thüringer und ihre Gäste das Tanzbein schwangen. Zum festlichen Abend wurde auch der Thüringer Scheibenkönig gekürt, der aus dem Eichsfeld kommt. Wigbert Köhmstedt vom SV Büttstedt traf mit 0,4 Millimetern Entfernung vom Zielpunkt am besten. Philipp Dietzel (Herzoglich privilegierte ASG zu Gotha) wurde mit 0,6 mm Abstand zum Zielpunkt 1. Ritter vor dem 2. Ritter, Andy Willig (SG Barchfeld/Werra) mit 10 mm Abstand.

Proklamation Schei­ben­könig

Zuvor waren mehr als 200 Schützenschwestern und Schützenbrüder mit Fahnen durch Sondershausens Innenstadt gelaufen – beim großen Festumzug, traditionell einer der wichtigen Programmpunkte des Schützentages. Neben den historischen Fahnen war erneut auch das Banner zu sehen, das auf die besondere Bedeutung des Schützenwesens hinweist. Seit dem Jahr 2016 ist das Schützenwesen in Deutschland von der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation, anerkanntes Weltkulturerbe. Aber bevor der Schützenzug durch die Sondershäuser Innenstadt zog, gab es den Segen beim Festgottesdienst in der schönen Trinitatiskirche.

Bereits ab 9 Uhr am Samstag Morgen hatten Böller- und Kanonenschüsse weithin vom 5. Böllertreffen gekündet, das auf dem Sportplatz Fasanerie stattfand. „Es rumst ganz schön“, sagte Sondershausens Bürgermeister Steffen Grimm (parteilos). „Ich habe für die erste Serie auf die Ohrenstöpsel verzichtet, um das Ganze hautnah zu erleben.“ Später griff das Stadtoberhaupt auf den Schutz für die Ohren zurück. Jede Stunde bis 13 Uhr zündeten die Teilnehmer ihre Böller und Kanonen auf das Kommando von Böllerreferent Reinhard Wilfer (Gera). Die Schüsse waren auch zur Delegiertenversammlung im Achteckhaus lautstark zu vernehmen, weshalb Stephan Thon zwischenzeitlich seine Rede kurz unterbrach, um akustisch verstanden zu werden. Am lautesten war einmal mehr der Standböller von Heinz Burghausen aus Allersdorf im Ilmkreis mit einem Kaliber von 125 Millimetern, den er mit 600 Gramm Schwarzpulver befüllt.

Es böllerte endlich wieder…

Ähnlich laut zugehen dürfte es beim 6. Böllertreffen, das 2024 in Suhl stattfindet. Denn die Traditionsstadt in Sachen Jagd- und Sportwaffen hat den Zuschlag für den 19. Schützentag erhalten. Den Staffelstab übergab Sondershausens Bürgermeister Steffen Grimm in der Feierstunde an Ina Leukefeld, Stadträtin und Beigeordnete der Stadt Suhl.

Die neue Landes­jugend­schützen­königin

Nicht nur die „Großen“ hatten ihren Schützentag – auch die Thüringer Schützenjugend hat den Anlass in Sondershausen genutzt, um ihren Landesjugendtag abzuhalten und den Jugendvorstand neu zu wählen. Dieser bleibt – wie auch das Präsidium des TSB – in gleicher Besetzung wie im Oktober in Bad Blankenburg gewählt weiter im Amt mit Sina Hölzer als Landesjugendleiterin an der Spitze.  Auch das Landesjugendkönigschießen war kurzerhand auf dem Schießstand in Sondershausen Heimental neben dem Scheibenkönigsschießen angesiedelt worden. Das Treffer-Talent liegt wohl in der Familie – Sophie Vesper (SG Barchfeld/Werra) trat in die Fussstapfen ihres Vaters Sven, der auch schon mal Landesschützenkönig war und ist die neue Landesjugendschützenkönigin.

Alles in allem ein gelungener Tag mit vielen Höhepunkten, der noch lange nachwirken wird und bestes Beispiel für die Freude ist, endlich wieder gemeinsam und unbeschwert feiern zu können.

Jan-Thomas Markert/ red

Zum Bericht des MDR Thüringenjournal über den Schützentag.